von Tommy Krappweis
Ich lernte Josef Göhlen bei einer Veranstaltung zum Jubiläum der Augsburger Puppenkiste kennen, wo er mich mit einem Kompliment zu unserer altersübergreifenden Kreation „Bernd das Brot“ ansprach. Als ich von Puppenkisten-Chef Klaus Marschall diskret in Kenntnis gesetzt wurde, wer da vor mir stand, fehlten mir zunächst die Worte …
Josef Göhlen hat das (vorrangig West-)Deutsche Fernsehen von den Sechzigern bis in die Neunziger hinein massiv geprägt und somit alle, die in diesen Jahrzehnten aufgewachsen sind. Er betreute Produktionen der Puppenkiste (Urmel, Kater Mikesch, Bill Bo und seine Bande u.a.), dank ihm entstanden Kultserien wie Pippi Langstrumpf, Wickie, Biene Maja, Heidi, Timm Thaler, Nesthäkchen, Anna und viele mehr. Josef ist außerdem mitverantwortlich dafür, dass Jim Henson die Muppet Show überhaupt produzieren konnte, er brachte Alf, Captain Future und Star Trek sowie die Simpsons nach Deutschland und war ein unbeirrbarer Streiter für das heute so vernachlässigte Segment der „Familienunterhaltung“.
Bei der Münchner Premiere unseres Films „Mara und der Feuerbringer“ trafen wir uns wieder und sein Lob, dass wir „perfekte Familien Unterhaltung in der Tradition der ZDF-Weihnachtsserien“ geliefert hatten, bedeutete uns allen sehr viel.
Das formulierte er zwei Wochen später auch noch einmal sehr eindrücklich und schriftlich für den Kress Report, als sich herausstellte, dass „Mara“ im Kino dank mangelnder Promo untergegangen war. Menschen, die sich in unserem Berufsfeld ohne eigene Agenda so für andere einsetzen, sind sehr selten. Und Josef hat mir gerade in der harten Zeit, als ich dachte, den Beruf und die Berufung verfehlt zu haben, dringend benötigte Kraft zurückgegeben.
Ein unbestreitbares Highlight war und ist für meine Frau Sophia und mich, dass uns Josef wenig später die Rechte für die Bearbeitung seines Stoffes „Bill Bo und seine Bande“ übertrug, um daraus eine 16teilige Hörspielreihe zu machen. Zunächst waren wir uns nicht sicher, ob wir mit unserer doch mitunter stark bearbeiteten und erweiterten Fassung seinen Geschmack getroffen hatten. Umso erleichterter waren wir, als Josef bei uns einen Stapel CD-Kopien aller Episoden bestellte: Als Weihnachtsgeschenke für die gesamte Familie.
In besonderer Erinnerung bleibt mir auch Josefs Auftritt als Überraschungsgast bei einem meiner Panels auf der Convention „Ring Con“ in Bonn. Erst wusste das Publikum nicht viel anzufangen, mit dem älteren Herrn im beigen Anzug, der auf einen Gehstock gestützt die Bühne betrat. Doch als ich dann die nicht enden wollende Liste der Produktionen vorlas, für die er verantwortlich war, konnte man förmlich spüren, wie dem gesamten Saal klar wurde, wen sie da vor sich hatten. Die darauffolgende Standing Ovation für Josef Göhlen gehört zu meinen schönsten Bühnen-Erfahrungen.
Er hat diesen Applaus ebenso verdient, wie den schelmigen Gruß der Augsburger Puppenkiste in dem Kult-Klassiker „Der Löwe ist los“: Da salutiert die Palastwache des Sultans mit einem klar und deutlichen „Göh-len!“.
Ich salutiere Dir ebenfalls, Josef. Du hast die Welt mit unzähligen Geschichten und Ideen bereichert und viele Generationen begeistert für intelligente, phantastische und emotionale Abenteuer mit Humor. Was für ein gigantisches Vermächtnis.
1001 Dank,
Tommy

